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Penicillinallergie und Delabeling

Ein zentraler Forschungsschwerpunkt ist die Penicillinallergie. Obwohl etwa 10 % der Bevölkerung angeben, gegen Penicillin allergisch zu sein, lässt sich dies nur bei 5-10% der Betroffenen bestätigen. Ein falsch vergebenes Allergielabel führt häufig zu einer Verordnung von Reserveantibiotika. Auf individuellem Level führt dies zu schlechteren Behandlungsergebnisse der Betroffenen, verlängert die Aufenthaltsdauer, führt zu mehr Wiederaufnahmen, erhöhte die Rate an Infektionen mit multiresistenten Erregern sowie post-operativer Wundinfektionen. Auf gesellschaftlichem Level begünstigt es die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen und belastet das Gesundheitswesen durch erhöhte Therapiekosten.

Für die Patient:innen ist die Überprüfung ihrer Allergie daher von großem Nutzen.

Patient:innen mit Penicillinallergie werden in allen ärztlichen Fachabteilungen versorgt. Außerhalb allergologischer Abteilungen fehlt aber meist sowohl das Wissen als auch die Zeit für ein detailliertes allergologisches Assessment oder eine weitergehende allergologische Abklärung, es bestehen zudem oft Unsicherheiten und Angst in Bezug auf schwere allergische Reaktionen, so dass Patient:innen häufig über Jahre statt einer allergologischen Testung immer wieder Ausweichpräparate erhalten. 

In Ergänzung zur allergologischen Abklärung und mit dem Ziel, den in diesem Kontext häufig unnötigen Einsatz von Breitspektrumantibiotika zu reduzieren, wurde unter der Leitung von Frau Dr. Joost am UKD ein Antibiotic-Stewardship (ABS)-basierte Delabeling Programm entwickelt und implementiert. Durch eine standardisierte anamnestische Risikostratifizierung werden Personen mit sehr niedrigem Risiko für eine tatsächlich Penicillinallergie identifiziert. Diese Patient:innen können entweder ohne weitere Testung delabelt oder einer oralen Provokationstestung (DOP) zugeführt werden. Auf diese Weise kann bei über 40% aller vermeintlich penicillinallergischen Patient:innen sicher und schnell eine Penicillinverträglichkeit nachgewiesen werden. 

Ziel des Delabeling Programmes ist es, Patientensicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig eine leitliniengerechte, resistenzkonforme Antibiotikatherapie zu ermöglichen.

Wissenschaftlich untersucht die Arbeitsgruppe dabei insbesondere Fragestellungen zu:

  • Einfluss von Delabeling auf die Verschreibung von Reserve-Antibiotika

  • Sicherheit (Safety) des Delabelings

  • Durchführbarkeit (Feasibility) im klinischen Alltag

  • Barrieren und Implementationsfaktoren

  • Übertragbarkeit in andere Versorgungsstrukturen